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Webseiten-Relaunch ohne Sichtbarkeitsverlust: der Fahrplan für Personalberatungen

Der Relaunch ist beschlossen. Bleibt die eine Frage, die alles ausbremst. Was passiert mit Google? Dein Risiko hängt an einem einzigen Punkt, den kein Angebot abfragt. Mit dem Design hat er nichts zu tun.

Liam Rathje
Liam Rathje
Lead Webdesigner, Grabosch
Webseiten-Relaunch ohne Sichtbarkeitsverlust: der Fahrplan für Personalberatungen

Der Relaunch ist beschlossen. Das Angebot liegt vor, der Termin steht grob. Dann kommt die Frage, die alles ausbremst.

Was passiert mit Google?

Die Sorge ist berechtigt, sie zielt nur meistens auf das Falsche. Sichtbarkeit geht bei einem Relaunch fast nie durch ein neues Design verloren. Sie geht verloren, weil Seiten unter neuen Adressen liegen und niemand Google gesagt hat, wo sie jetzt zu finden sind.

Wie groß dein Risiko dabei überhaupt ist, entscheidet eine einzige Frage. Sie steht in keinem Relaunch-Angebot.

Wovon die Schreckenszahlen im Netz eigentlich handeln

Wer vorher googelt, findet Studien mit alarmierenden Zeiträumen. Die bekannteste ist eine Auswertung von 892 Umzügen aus dem Search Engine Journal. Dort dauerte es im Schnitt anderthalb Jahre, bis eine Seite ihr altes Besucherniveau wieder erreichte.

Solche Zahlen sind nicht falsch, sie beschreiben nur einen anderen Vorgang. Gemessen wurden Umzüge auf eine komplett neue Domain, also Fälle, in denen sich die Internetadresse selbst ändert. Wenn du deine Domain behältst und nur die Seite darauf neu baust, ist das etwas anderes.

Zwei Punkte aus derselben Studie schaffen es in kaum einen deutschen Artikel. Der schnellste gemessene Fall war nach 19 Tagen zurück. Und die Dauer hängt vor allem daran, wie viele fremde Seiten auf dich verlinken. Je weniger es sind, desto schneller ist die Sache durch.

Eine Personalberatung mit 14 Mitarbeitenden und einer Handvoll Verlinkungen liegt damit nicht im Bereich von Jahren, sondern von Wochen. Vorausgesetzt, die Vorbereitung stimmt.

Zuerst die Frage, die in keinem Relaunch-Angebot steht

Wo liegen deine Stellenanzeigen?

Das klingt banal und entscheidet über dein komplettes Risiko. Es gibt drei Fälle und sie unterscheiden sich vollständig.

Fall 1: Die Stellen liegen komplett bei deinem Bewerbertool. Personio, softgarden und Recruitee betreiben die Karriereseite auf einer eigenen Adresse, die den Anbieternamen enthält. Deine Seite verlinkt nur dorthin. Beim Relaunch passiert mit diesen Stellen gar nichts, weil sie technisch nie bei dir lagen. Du setzt nur die Links neu.

Fall 2: Die Stellen sind als Fenster in deine Seite eingebettet. Von außen sieht es aus, als lägen sie bei dir, geliefert werden sie aber vom Anbieter. Bei Google existiert dann nur eine einzige Adresse, nämlich deine Karriereseite selbst. Einzelne Stellen haben bei dir keine eigene Adresse, also kann dort auch nichts verlorengehen.

Fall 3: Die Stellen werden auf deine Seite übertragen und liegen unter deinen eigenen Adressen. Erst hier hat jede Stelle bei Google einen eigenen Platz. Und nur hier kann ein Relaunch wirklich etwas zerstören.

Zum zweiten Fall gehört ein Nebeneffekt, der viele überrascht. softgarden schreibt in der eigenen Hilfe offen, dass eingebettete Inhalte von Suchmaschinen nicht deiner Seite zugerechnet werden und die Sichtbarkeit dadurch sinkt. Wer seit Jahren so einbettet und sich wundert, warum die Karriereseite bei Google nichts reißt, hat damit die Antwort.

Klär diese Frage, bevor irgendjemand anfängt, Adressen zu sortieren. Wenn du es selbst nachsehen willst, tipp bei Google site:deinefirma.de ein. Dann siehst du in zwei Sekunden, welche deiner Seiten Google überhaupt kennt und ob deine Stellen dabei sind.

Deine Seite hat zwei Ranglisten, nicht eine

Jede Relaunch-Anleitung sagt dasselbe. Priorisiere die Seiten mit den meisten Besuchern. Bei dir führt das in die Irre.

Deine meistbesuchten Seiten sind fast immer die Stellenanzeigen. Da kommen die Kandidaten her. Deine anfragen-stärksten Seiten sind die Leistungs- und Branchenseiten. Da kommen die Firmenkunden her, also der Umsatz, über den die meisten Personaldienstleister zu wenig nachdenken.

Wer nur nach Besucherzahlen sortiert, sichert den Bewerberkanal und verliert den Umsatzkanal. Umgekehrt genauso. Du brauchst beide Listen nebeneinander.

Schreibtisch mit zwei Bildschirmen und Tastatur in einem hellen Büro

Drei Dinge, die vor dem Go-live passieren müssen

Die Liste aller alten Adressen muss vollständig sein. Genau daran scheitert es am häufigsten. Wer die Seite einfach durchsuchen lässt, findet nur, was auch intern verlinkt ist. Alte Seiten, die niemand mehr verlinkt hat und die trotzdem seit Jahren bei Google auftauchen, fehlen dann. Deshalb kommt die Liste immer aus mehreren Quellen. Aus der Seite selbst, aus deiner Besucherstatistik und aus der Google Search Console, dem kostenlosen Google-Konto zu deiner Seite. Wenn du keinen Zugang dazu hast, ist das der erste Punkt für die Agenturliste.

Der Ist-Zustand wird gemessen, bevor jemand etwas anfasst. Wie viele Besucher kommen im Monat über Google, für welche Suchbegriffe stehst du wo, wie viele deiner Seiten kennt Google überhaupt. Ohne diese Werte kannst du hinterher nicht beurteilen, ob wirklich etwas kaputt ist oder ob es sich nur so anfühlt.

Es ändert sich möglichst wenig gleichzeitig. Google selbst rät dazu, große Umbauten nacheinander zu machen und nicht in einem Rutsch. In der eigenen Hilfe steht sinngemäß, dass ein Umzug in Kombination mit neuen Inhalten und neuer Struktur wahrscheinlich Besucher kostet, weil Google die Seiten komplett neu bewerten muss. Das ist Googles Warnung vor genau dem, was hierzulande Relaunch heißt. Ein Mitarbeiter von Google sagte 2023 sogar offen, dass viele Umzüge, an denen er beteiligt war, Sichtbarkeit gekostet haben.

Aus alldem entsteht am Ende eine simple Tabelle. Links die alte Adresse, rechts die neue. Jede Zeile einzeln, mit konkretem Ziel. Was regelmäßig als Abkürzung verkauft wird und keine ist, ist das pauschale Umleiten aller alten Adressen auf die Startseite. Google wertet das als Fehler, nicht als Weiterleitung.

Abgelaufene Stellen werden nicht weitergeleitet

Hier gilt das Gegenteil der üblichen Faustregel. Dieser Punkt fehlt in jeder allgemeinen Relaunch-Checkliste.

Stellen, die längst besetzt sind, dürfen bei Google gar nicht mehr auftauchen. Google verlangt ausdrücklich, dass abgelaufene Anzeigen verschwinden. Wer eine besetzte Stelle von 2023 auf die neue Seite weiterleitet, schleppt sie mit in den frischen Bestand. Richtig ist das Gegenteil, nämlich die Adresse sauber abzuschalten.

Ein Relaunch ist der einzige natürliche Moment, an dem die Altstellen aus vier Jahren aufgeräumt werden.

Rechne das an einer typischen Seite durch. 40 Adressen kennt Google, davon eine Startseite, fünf Leistungsseiten, acht aktive Stellen, sieben Standardseiten und 19 ausgelaufene Stellenanzeigen. Weitergeleitet werden also 21. Die anderen 19 werden abgeschaltet. Nicht 40 Weiterleitungen, sondern 21 Weiterleitungen und 19 Abschaltungen.

Der Go-live-Tag, in dieser Reihenfolge

  1. Die Testsperre aufheben. Während des Baus ist die neue Seite für Google gesperrt, damit sie nicht halbfertig bei Google auftaucht. Wird diese Sperre am Go-live vergessen, bleibt die fertige Seite für Google unsichtbar. Das ist der häufigste Totalausfall überhaupt und er fällt oft erst Wochen später auf.
  2. Die Weiterleitungen aktivieren.
  3. Prüfen, dass keine Seite mehr auf die Testadresse zeigt. Beim Bauen tragen viele Systeme intern die Adresse der Testumgebung ein. Bleibt die stehen, sagt deine neue Seite Google, das Original stehe woanders. Dann war der ganze Rest umsonst.
  4. Jede einzelne Weiterleitung testen. Die komplette Liste, nicht drei Stichproben.
  5. Google das neue Inhaltsverzeichnis der Seite schicken. Das alte bleibt zunächst stehen, weil du daran ablesen kannst, wie die alten Adressen verschwinden.
  6. Interne Links, Profile bei LinkedIn und Xing sowie laufende Kampagnen umstellen.
  7. Neue Stellenadressen direkt bei Google anmelden.

Zum letzten Punkt ein Detail, das kaum jemand kennt. Google hat für Stellenanzeigen einen eigenen Meldeweg, über den neue Adressen sofort abgeholt werden statt erst in den nächsten Tagen. Es ist einer von nur zwei Inhaltstypen, für die es das überhaupt gibt.

Warum das zählt. Bei einer Leistungsseite kosten drei Wochen Verzögerung ein paar Rankings. Bei einer Vakanz, die in acht Wochen besetzt sein soll, sind drei Wochen mehr als ein Drittel der Laufzeit. Die Recruiting-Branche hat hier eine Abkürzung, die es sonst fast nirgends gibt. Fast niemand nutzt sie.

Hände mit Stift über einem Notizbuch neben einer Laptop-Tastatur

Nach vier Wochen: normal oder kaputt?

Ein Rückgang direkt nach dem Relaunch ist normal. Die Frage ist, ab wann er es nicht mehr ist. Sophie Brannon hat die Schwellen im Search Engine Journal beschrieben. Angenommen, deine Seite hatte vorher 900 organische Klicks im Monat:

Klicks nach 4 WochenRückgangEinordnung
720 bis 81010 bis 20 Prozentnormal, Erholung in 2 bis 6 Wochen
630 bis 72020 bis 30 Prozentoberer Rand, Weiterleitungen nachprüfen
unter 630über 30 ProzentVerdacht, sofort nachsehen
unter 450über 50 ProzentNotfall, sonst 12 bis 18 Monate

Unabhängig von der Prozentzahl gibt es zwei Alarmzeichen. Google meldet plötzlich Seiten, die es nicht mehr erreicht. Und die Zahl der Seiten, die Google von dir kennt, sinkt weiter, statt sich nach vier Wochen zu fangen.

Eine Sache sorgt dagegen regelmäßig für Panik und ist harmlos. Google merkt sich die alte Adresse eine Weile und zeigt sie gelegentlich noch an. Das legt sich von selbst.

Die Weiterleitungen bleiben mindestens ein Jahr stehen. So lange braucht Google, um alles auf die neuen Adressen zu übertragen.

Was mit ChatGPT und den KI-Antworten passiert

Hier wird im Markt viel behauptet. Belegbar ist wenig.

Für Google ist die Frage offiziell beantwortet. Damit eine Seite in den KI-Antworten von Google auftaucht, muss sie ganz normal in der Suche zu finden sein, mehr verlangt Google ausdrücklich nicht. Wer nach dem Relaunch sauber zurück in der Suche ist, ist damit auch in den KI-Antworten zurück.

Für ChatGPT und Perplexity gibt es keine solche Aussage. Beide erklären zwar ausführlich, wie sie Seiten einlesen, aber keiner von beiden sagt ein Wort dazu, wie schnell eine Adressänderung bei ihnen ankommt. Eine belastbare Studie dazu gibt es auch nicht. Wer dir hier eine Zahl nennt, rät.

Messbar ist etwas anderes. KI-Antworten schicken Menschen deutlich häufiger auf Seiten, die es nicht mehr gibt. In einer Auswertung von 16 Millionen verlinkten Adressen führte rund ein Prozent der ChatGPT-Verweise ins Leere, bei Google waren es 0,15 Prozent. Ein Teil davon sind Seiten, die ohne Weiterleitung verschwunden sind. Genau deshalb lohnt sich die vollständige Liste.

Wie du generell in KI-Antworten auftauchst, haben wir in einem eigenen Artikel auseinandergenommen.

Die Option, die dir niemand anbietet

Es gibt einen Weg, das gesamte Risiko aus diesem Artikel zu streichen. Du behältst deine Adressen einfach.

Neues Design, neue Texte, neues System, gleiche Adressen. Google hat dafür sogar eine eigene, deutlich kürzere Anleitung, weil in diesem Fall schlicht nichts übertragen werden muss. Bei 40 Seiten ist das fast immer machbar.

Im Angebot steht es trotzdem selten. Eine neue Struktur wirkt moderner und lässt sich besser verkaufen. Wenn deine bisherigen Adressen halbwegs vernünftig aufgebaut sind, ist das Beibehalten die günstigere und sicherere Entscheidung.

Der ehrliche Schluss

Ein Relaunch ist kein Risiko für deine Sichtbarkeit, wenn vorher jemand die Liste macht. Bei 40 Adressen ist das eine Tabelle mit 40 Zeilen, davon 21 Weiterleitungen und 19 Abschaltungen. Das sind ein paar Stunden in einem Projekt, das insgesamt mehrere Wochen läuft.

Teuer wird nie die Vorbereitung. Teuer wird die Reparatur.

Wenn deine Seite ohnehin ansteht und du wissen willst, welche der drei Konstellationen bei dir vorliegt, sieh dir an, wie wir Webseiten bauen. Oder buch dir ein Erstgespräch und wir gehen deine Adressliste einmal gemeinsam durch.

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